27. September 2011

Demokratie - Zumutungen und Versprechen von Christoph Möllers

Das Buch "Demokratie - Zumutungen und Versprechen" von Christoph Möllers ist bereits 2008 im Wagenbachverlag erschienen. Bisher hat dieses Buch jedoch nichts von seiner Aktualität verloren, wenn nicht sogar an Bedeutung gewonnen. Demokratie bleibt spannend - besonders wenn es in krisenhaften Momenten schwieriger wird berechtigte und unberechtigte Erwartungen zu erfüllen. Damit, was man von Demokratie erwarten kann und was nicht, beschäftigt sich Möllers Buch. Er erinnert daran was Demokratie bedeutet: Ein System gleicher Freiheiten.

Aufbau

Neben dem Vorwort untergliedert sich das Buch in neun Kapitel, die da lauten: 

  1. Demokratische Demokratietheorie 
  2. Demokratische Versprechen
  3. Demokratischer Wille
  4. Demokratische Identität
  5. Demokratische Handlung
  6. Drei demokratische Gewalten
  7. Demokratische Grenzen der Demokratie
  8. Demokratie jenseits des Staats
  9. Zumutungen der Demokratie

In diesen neun Kapiteln sind 173 knapp und prägnant formulierte Thesen zur Demokratie eingelassen. Diese Gestaltung bringt Vor- und Nachteile mit sich. Jede dieser Thesen bildet für sich ein kleines Häppchen Anregung und ist damit ebenso für Zwischendurch geeignet, auch wenn jeder Gedanke nach Aufmerksamkeit und Konzentration verlangt. Leider lässt sich ein „roter Faden“ vermissen, welcher einen durchgängigen packenden Lesefluss aufkommen lassen würde.

Inhalt

Möllers sieht Demokratie als ein "System gleicher Freiheiten". Dieses Gleichheitsprinzip stellt er dabei nur auf die rechtlichen Aspekte als Bürger ab. Darauf aufbauend liefert er mit seinem Buch zahlreiche Seitenhiebe gegen alle die sich all zu schnell auf der Seite der "Guten und moralisch Überlegenen" zu wissen glauben und Demokratie durch das Überfrachten mit Ansprüchen gefährden. "Wir leben nicht in einer demokratischen Ordnung, um bestimmte Probleme zu lösen, sondern weil dies am besten zum Ausdruck bringt, wie wir uns selbst verstehen: als freie Personen unter wechselseitiger Anerkennung der Freiheit aller anderen".

"Demokratie" von Möllers ist ein Buch gegen autoritäre Wunschträume und falsche Erwartungen an die Demokratie und wirkt somit gegen Demokratieverdrossenheit. Es handelt sich dabei nicht um eine blinde Jubelschrift auf die Demokratie. Er beschreibt was es heißt demokratisch zu sein, ohne dabei zu beschönigen oder zu verschweigen das dies eben auch Herrschaft heißt, selbst wenn diese durch das Volk erfolgt. Demokratie meint, dass der Arme genauso viel wie der Reiche und der Dumme soviel wie der Kluge in ihrer Freiheit und Selbstbestimmung zählen. Dies ist auch das Argument gegen Entscheidungsfindungen auf der Straße. Er spricht davon, dass Herrschaft sichtbar gemacht werden muss. Dies drückt sich z.B. dadurch aus, dass nach Möllers Legitimation einzig und allein über Verfahren entsteht und nicht durch "gute Gründe".

Fazit

Letztendlich hilft Möllers Buch über die Demokratie sich wieder Grundsätzlichem bewusst zu werden und durch die zahlreichen Gedankenanstöße, welche man nicht alle teilen muss, einen klareren Blick zu bekommen, was Demokratie ist und warum es sich lohnt dafür einzustehen. Abgesehen von dem Stakkato-Stil ist das Buch eine Empfehlung wert, für alle die ein anregendes Buch suchen, welches fremde und eigene Ansichten zur Demokratie auf den Prüfstand stellen wird.


"Wir schulden den Gegnern der Demokratie Gründe für die Demokratie, keine moralische Empörung".


Christoph Möllers: Demokratie - Zumutungen und Versprechen
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2008, 125 Seiten
(auch über die Buchempfehlungen zu finden)

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