30. Juli 2011

Internet, Google und Wirklichkeit

Zum 20 jährigen Bestehen des Internets lassen sich vermehrt Beiträge dazu finden, was das Wesen des Internets ist oder was es sein sollte. Eng damit verbunden ist die Suchmaschine Google, welche in Deutschland eine Quasi-Monopolstellung inne hat. Jedoch sollte vermieden werden Google mit dem Internet oder umgekehrt gleich zu setzen. Was weiß Google und was hat Google mit diesem Wissen vor? Das sind Fragen die in diesem Zusammenhang gerne kontrovers diskutiert werden. Anstatt einer Dämonisierung von Google und dem Internet soll hier ein kurzer Blick auf nicht-intendierte Nebenfolgen geworfen werden. Der Verlust von Detail- und Strukturwissen.


Bevor auf die erste Frage eingegangen wird, ist es lohnenswert sich nochmal die getrennten Rollen von Internet und Google vor Augen zu führen. Das Internet bietet die Möglichkeit zum Datenaustausch und damit auch prinzipiell die Möglichkeit für jeden Daten bzw. Inhalt über das Internet bereit zu stellen. Google bietet als Suchmaschine den Service an, das Internet nach Inhalten abzufragen und Inhalte vorzuschlagen. Um die Vorschläge stetig zu verbessern, sammelt Google einerseits Daten über die Inhalte im Internet und andererseits über das Nutzerverhalten.



Was weiß Google und was hat Google mit diesem Wissen vor?


Dies führt zurück zur ersten Frage, was weiß Google, welche z.B. von Stefan Schulz mit einem schönen „nicht viel“ beantwortet wurde. Der Kern dieser Antwort besteht darin, dass Google keine Semantik, keinen Sinn erfassen kann. Google kann statistisch auswerten, Wortdichte, Wortkombinationen und auch das Umfeld erfassen, aber durch solche Verfahren geht das eigentlich Wissen um die Inhalte verloren. Bei einer Abfrage von Google werden also nicht zwangsläufig die besten Inhalte zu einem Thema angezeigt, sondern die für Google am besten optimierten Inhalte. Hier sei nur kurz darauf verwiesen, dass auf diesem Umstand die ganze Branche der Suchmaschinenoptimierung aufbaut.

Mit der zweiten Frage, was hat Google mit diesem Wissen vor, scheint es so, als schwinge immer der Verdacht des Machtmissbrauchs mit. Ohne hier über geheime Intentionen eines der größten Konzernen der Welt zu spekulieren, soll nur darauf hingewiesen sein, dass das Kerngeschäft von Google der Verkauf von Aufmerksamkeit bzw. von Werbeanzeigen ist. Viel interessanter jedoch als die banalen Geschäftsinteressen eines Konzerns ist die Frage, welche nicht-intendierten Nebenfolgen sich im Zusammenspiel zwischen dem Internet, als riesiges und ständig anwachsendes Datennetzwerk und Google, als Orientierungshilfe in diesem Datennetzwerk, herauskristallisieren.



Was wird aus Wissen durch das Internet und Google?


Für einen Großteil des Inhalts bzw. Wissens im Internet besteht das Problem der Egalisierung. Es kann von jedermann Wissen eingestellt werden. Für den Außenstehenden stellt das insofern ein Problem dar, dass nicht auf Anhieb erkannt werden kann, ob es sich bei diesem transportierten Wissen, um die Aussage eines Menschen handelt, welcher sich seit geraumer Zeit damit ernsthaft beschäftigt oder ob die präsentierten Inhalte nur Mutmaßungen eines absoluten Laien sind. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Tatsachen und Meinungen. Somit kann man sich selbst seine eigenen Referenzen schaffen. Diese Möglichkeit kann z.B. für die Untermauerung von Verschwörungstheorien genutzt werden. Das Internet kann also für jede Behauptung eine Referenz aufweisen.

Google steht diesem egalisierten Wissen sozusagen als Filter gegenüber. Für den Nutzer ist jedoch nicht ersichtlich auf welcher Grundlage der Google Algorithmus zu seinen Suchergebnissen kommt. Durch die Loslösung der präsentierten Inhalte bzw. des präsentierten Wissens von den Auswahlkriterien ist eine Einschätzung schwierig. Gleichzeitig führt dies zu einer Legitimierung des angezeigten Wissens. 



Externalisierung von Wissen


Wie sehr wir Google in Bezug auf die Beantwortung unserer Fragen vertrauen, zeigt eine Studie von Sparrow über den Effekt der Externalisierung von Wissen hin zu Google auf unser Gedächtnis. Ähnliche Effekte wurden sicher schon mit der Erfindung von Schrift oder dem Buchdruck geleistet, aber bedenkt man die Reichweite und Datenmenge, dann ist hiermit eine neue Qualität erreicht. Das Argument, dass das Detailwissen durch Strukturwissen, also wo welches Wissen nachzuschlagen ist, ersetzt wird, greift im Falle von Google nicht. Google nutzt man, wenn man nicht weiß wo welches Wissen zu finden ist und Vorschläge benötigt, um dieses zu finden. Damit externalisiert sich nicht nur Detailswissen ins Internet, sondern auch das Strukturwissen, wo etwas nachzuschlagen wäre, hin zu Google. Hieraus ergibt sich eine doppelte Abhängigkeit. Grundvoraussetzung für den richtigen Umgang mit Wissen bleibt die kritische Auseinandersetzung und Überprüfung der präsentierten Inhalte, um nicht nur eine passende Referenz zur Bestätigung für das eigene Weltbild zu erhaschen.

Was wird aus dem Wissen durch das Internet und Google? Es wird von seinem Ursprung los gelöst und neu präsentiert. Dies impliziert noch nichts negatives, aber eine nicht-intendierte Nebenfolge davon ist, dass sich immer mehr durch diese Art von Wissen unsere Wirklichkeit konstruiert und dies die Grundlage für unser Handeln bildet.

de.

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